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Seit 2024 arbeitet das 3R-Kompetenznetzwerk Nordrhein-Westfalen mit dem MINT-EC-zertifizierten Gymnasium Fabritianum in Krefeld zusammen, um Schüler:innen ab der Jahrgangsstufe 10 über das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) und dessen Bedeutung in der Forschung mit Tieren zu informieren. Ziel ist es außerdem, den Schüler:innen einen offenen und direkten Dialog mit Forschenden, Tierschutzbeauftragten, sowie weiteren Expert:innen aus dem Bereich zu ermöglichen.

Das erneute Engagement der Schule als Pilotschule unseres modularen Schulprogramms zeigt eindrucksvoll, das große gegenseitige Interesse zwischen Schüler:innen, Lehrkräften und Schulleitung sowie den Forschenden der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn. Die Projektwoche unterstrich den Mehrwert und den Bedarf einer engen Zusammenarbeit zwischen Schule und Forschung.

Die Schüler:innen erfahren, wie Zebrafische bei der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen eingesetzt werden.
Die Schüler:innen erfahren, wie Zebrafische bei der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen eingesetzt werden.
@3R-Kompetenznetzwerk NRW

Eine Woche – viele Perspektiven: Einstieg, Alternativen und Reflexion

Die 3R-Projektwoche Anfang Feburar 2026 begann mit einer fundierten Einführung und ersten ethischen Überlegungen zum Thema Tierversuche. In interaktiven Formaten diskutierten die Teilnehmenden unter anderem, was ein Tierversuch ist, welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten, welche Belastungen für Tiere entstehen können und wie das 3R-Prinzip konkret in der Forschung umgesetzt wird.

In den darauffolgenden drei Tagen erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Bereiche des Forschungsalltags. Sie lernten den Zebrafisch als Modellorganismus für neurodegenerative Erkrankungen kennen und führten selbst Injektionen genetischen Materials in Fisch-Eier durch, übten chirurgische Nahttechniken an künstlichen Hautmodellen, erhielten einen Einblick in die Chirurgie an Labortieren im Rahmen eines Virtual-Reality-Trainings und traten bei der DNA-Isolation aus Bakterien gegen einen Laborroboter an. Darüber hinaus untersuchten sie neuromuskuläre Organoidmodelle für die Weltraumforschung unter Schwerelosigkeitsbedingungen, erfuhren mehr über Tierversuche in der Landwirtschaftlichen Forschung, diskutierten über den Einsatz von tierversuchsfreien und tierfreien Methoden im Laboralltag und erhielten einen direkten Einblick in die Haltung von Labormäusen sowie die tägliche Arbeit einer Tierhaltungseinrichtung.

Der fünfte Tag stand im Zeichen der gemeinsamen Reflexion. Aufbauend auf den neu gewonnenen Erfahrungen diskutierten die Schüler:innen miteinander Fallbeispiele aus der Forschung, die gut verdeutlichten, dass die ethische Beurteilung nicht immer einfach ist.

Es war an der Zeit, die von den Schüler:innen und vom Roboter isolierte DNA-Menge zu vergleichen.
Es war an der Zeit, die von den Schüler:innen und vom Roboter isolierte DNA-Menge zu vergleichen.
@3R-Kompetenznetzwerk NRW

Ein Rollenspiel zur Beantragung einer Tierversuchsgenehmigung in Nordrhein-Westfalen zeigte anschaulich, wie engmaschig die behördliche Aufsicht stattfindet um hohe Tierschutzstandards gewährleisten zu können, ohne aber die wissenschaftliche Qualität zu beeinträchtigen. Abschließend reflektierten die Teilnehmenden ihre persönliche Perspektive auf Tierversuche vor und nach der Projektwoche in Form eines „Briefes an sich selbst“.

Die 3R-Prinzipien werden in der Forschung gelebt

Der intensive Austausch zwischen Schüler:innen und Forschenden ermöglichte einen differenzierten Blick auf moderne biomedizinische Forschung und zeigte, wie wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung, ethische Verantwortung und Tierwohl im Forschungsalltag zusammen gedacht werden. Die Teilnehmenden brachten ihre Eindrücke treffend auf den Punkt: “Die 3R seien nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern werden tatsächlich im Forschungsalltag gelebt.” Motiviert durch diese erfolgreiche Zusammenarbeit wird Mitte März am Netzwerkstandort Aachen eine weitere Gruppe an Schüler:innen des Gymnasiums Fabritianum an einem 3R-Discovery Day teilnehmen.

Wir danken allen Teilnehmenden herzlich für ihr Engagement sowie den beteiligten Forschungsgruppen und Mitarbeitenden.